Mietkautionsbürgschaften werden häufig als teuer kritisiert, da sie jährliche Gebühren von etwa 3–5 % der Bürgschaftssumme verursachen. Klassische Vergleiche gehen jedoch meist davon aus, dass die Kautionssumme beim Vermieter liegt und keine Rendite erzielt.
Ein alternativer Ansatz betrachtet die Bürgschaft hingegen als eine Art Lombardkredit-Ersatz: Die Kaution wird nicht hinterlegt, sondern bleibt beim Mieter, der das Kapital am Kapitalmarkt investiert. Dieser Ansatz stellt die übliche Kostenkritik in Frage – erfordert aber eine differenzierte Risikoanalyse.
Inhalt
Grundannahme des Modells
Der Mieter schließt eine Mietkautionsbürgschaft ab und behält damit z. B. 2.000 Euro, anstatt diese an den Vermieter auszuzahlen.
Das Kapital wird anschließend in breit diversifizierte, risikoarme Wertpapiere (z. B. ETFs) investiert.
Ziel:
- Die Erwartungsrendite der Geldanlage soll langfristig die regelmäßigen Kosten der Bürgschaft übersteigen.
Dieses Modell entspricht funktional einem Lombardkredit:
- feste Kosten auf der Fremdkapitalseite (Bürgschaftsgebühren),
- potenziell höhere, aber unsichere Renditen auf der Anlage-Seite.
Potenzieller Vorteil: Renditedifferenz
Historisch erzielten weltweit gestreute ETFs über längere Zeiträume durchschnittliche Renditen von 5–7 % p. a. Demgegenüber stehen sichere und fixe Bürgschaftskosten im Bereich von 3–5 %.
Wenn die reale Rendite der Geldanlage dauerhaft über der Kostenquote liegt, entsteht ein Netto-Vorteil.
Die klassische Kritik („Bürgschaften sind langfristig teurer“) ist in diesem Szenario nicht zwingend haltbar.
Voraussetzungen für einen positiven Effekt:
- langfristige Mietdauer,
- stabile Kapitalmärkte,
- Anlage bleibt über die gesamte Mietzeit investiert.
Risikoanalyse
Markt- und Renditerisiko
Die Bürgschaftskosten sind kalkulierbar und fallen jedes Jahr garantiert an.
Die ETF-Rendite ist hingegen volatil.
Das Modell funktioniert nur, wenn die tatsächliche Rendite die Bürgschaftskosten regelmäßig übersteigt.
Timing-Risiko beim Auszug
Beim Auszug kann der Vermieter Forderungen geltend machen (Schäden, Nebenkosten, Mietrückstände).
Zahlt der Bürge an den Vermieter, holt er sich diese Summe vom Mieter zurück.
Muss der Mieter für diesen Rückgriff die ETFs genau in einer Marktphase verkaufen, die im Tief liegt, entstehen reale Verluste.
Dieses Risiko entfällt nur, wenn der Mieter ausreichende Liquidität besitzt, um die Rückforderung ohne Auflösung des Investments zu bedienen.
Risikoklasse des Investments
Auch vermeintlich „risikoarme“ ETFs unterliegen Kursschwankungen.
Je kürzer der verbleibende Anlagehorizont, desto höher das Verlustrisiko.
Praktische Bewertung
Das Modell ist dann sinnvoll, wenn der Mieter:
- finanziell stabil ist,
- Schwankungen am Kapitalmarkt akzeptiert,
- genügend Reserven besitzt, um Rückforderungsansprüche ohne Notverkauf zu bedienen,
- und einen mittelfristigen bis langfristigen Anlagehorizont hat.
Es ist weniger geeignet, wenn:
- wenig Liquidität vorhanden ist,
- die Mietdauer unklar oder kurz ist,
- oder das Timing-Risiko nicht getragen werden kann.
Fazit
Die Mietkautionsbürgschaft kann unter bestimmten Bedingungen ökonomisch wie ein Lombardkredit eingesetzt werden: Sie verschafft Liquidität, die investiert werden kann, und eröffnet damit die Chance auf eine Renditedifferenz.
Allerdings trägt der Mieter dabei die vollständigen Markt- und Timing-Risiken der Anlage. Deshalb bleibt die Aussage richtig, dass Kautionsbürgschaften im Durchschnitt teurer sind als die klassische Kautionshinterlegung – es sei denn, der Mieter nutzt die gewonnene Liquidität aktiv, renditeorientiert und mit ausreichender Risikotragfähigkeit.
Das Modell ist also kein Denkfehler, sondern eine legitime Investmentstrategie – allerdings nicht universell und nicht ohne Risiken.
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